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50 Jahre “Summer Of Love”

Wenn wir in die Rockgeschichte zurückblicken, müssen die Jahre 1942 und 1967 zusammen genannt werden. 1942 wurden viele spätere Musiker geboren, die auch als einige der Protagonisten des „Sommers der Liebe“ von 1967 in die Geschichte eingingen. Es war die Zeit als Songs noch Einfluss hatten auf politische Entwicklungen, auf Veränderungen in der Gesellschaft. Sie waren Aufschrei einer ganzen Generation, der Weckruf zu einer neuen, friedlicheren Welt. Wir erinnern uns: 1967/68 kam es weltweit zu Umbrüchen in der jungen Generation, ein Aufbegehren gegen verkrustete Strukturen, gegen Willkür und Gewalt. In Vietnam tobte ein erbitterter, ungerechter und widerwärtiger Krieg. Weltweite Friedensdemonstrationen läuteten die Geburt der Friedensbewegung ein. In Berlin gingen junge Menschen gegen den Schah von Persien auf die Straße und endete am 2. Juni in einer Katastrophe als ein Polizist den friedlich demonstrierenden Student Benno Ohnesorg erschoss. In San Francisco fanden sich die Blumenkinder zusammen und starteten eine Bewegung die bis heute als eine der Wichtigsten des 20. Jahrhunderts gilt: Die Hippie-Bewegung.
Die Hippies machten aus dem Jahre 1967 „the Summer of Love“. Die Musiker lieferten den Soundtrack dazu, der auch noch heute in den Radio-Stationen läuft, der zum Kulturgut wurde, der eine Zeit repräsentiert, die bis in unsere Tage seine Auswirkungen hat.
2017 wurden wichtige Vertreter des „Summer of Love“ 70 Jahre alt. Was verbindet diese Musiker? Welche Rolle spielten sie?
Wenn man es genau betrachtet muss man feststellen, dass die inzwischen hochbetagten Jubilare fast alle unfreiwillig und zufällig zu den Helden des Sommers der Liebe wurden. Sie wurden selbst überrannt von einer Entwicklung, die zwar nicht plötzlich, aber scheinbar unbemerkt kam. Viele der Musiker sprangen auf den Zug auf um nicht als Außenstehende zu gelten. Es muss aber gesagt werden, dass die gesamte Entwicklung des Jahres 1967 ohne die Musik, ohne die inzwischen über 75jährigen nicht denkbar wäre.
Brian Jones, 1969 verstorben und Mitbegründer der noch heute existierenden Band „The Rolling Stones“, hat uns wohl eines der bedeutensten Zitate des Jahres 1967 hinterlassen. Einer der großen Hits des Jahres kam von den „Rolling Stones“ und löste einen Skandal aus. Der Song „Let’s Spend The Night Together“ wurde (selbst in Deutschland) kaum, und wenn dann sehr spät am Abend, wegen seiner sexuellen Anspielungen nicht im Radio gespielt. Dabei brachte es doch einen der Hauptpunkte der Hippies zur Sprache: die freie Liebe, die Abkehr von moralischen Zwängen.
Brian Jones sagte 1967:
„Unsere wahren Anhänger sind uns gefolgt – zu denen, die wir am meisten mögen, gehören die New Yorker Hippies, aber fast alle denken wie wir und stellen einige der elementaren Ungerechtigkeiten, die in der heutigen Gesellschaft geduldet werden, in Frage: den Vietnamkrieg, die Verfolgung von Homosexuellen, das Abtreibungsverbot, die Drogenpolitik. All das ist unmoralisch. Wir geben unsere eigene Meinung dazu ab – bei anderen klingt es vielleicht intellektueller. Unsere Freunde stellen den Sinn einer fast blinden Akzeptanz von Religion in Frage, wenn  andererseits beispielsweise Berichte über nichtidentifizierte Flugobjekte, die mir immer noch realistisch erscheinen, völlig abgetan werden. Umgekehrt unterschätze ich ja auch nicht die Macht und den Einfluss derer, die im Gegensatz zu mir an Gott glauben. Wir glauben, dass es keine Evolution  ohne Revolution geben kann.  Mir ist klar, dass es noch mehr Ungerechtigkeiten gibt – das Verhältnis von Wohlstand und dem Lohn für geleistete Arbeit stimmt überhaupt nicht. Ich weiß, ich verdiene zu viel, aber ich bin noch jung und irgendeine boshafte Seite in mir lässt mich an dem festhalten, was ich habe. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in Bezug auf Ideen und Ereignisse auf eine neue Ära zubewegen. Vom astrologischen Standpunkt her befinden wir uns am Ende des sogenannten Fische-Zeitalters, an dessen Beginn Menschen wie Christus geboren wurden. Wir stehen kurz vor Ausbruch der Ära des Wassermanns, in der ebenso bedeutende Ereignisse wie am Anfang der Fische-Zeit zu erwarten sind. Eine Revolution der Verjüngung von Denken und Verhalten steht unmittelbar bevor.“

Paul McCartney fragte sich 1967 noch, was wohl passiert, wenn er erst 64 Jahre alt wird. Auf dem Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ sinnierte McCartney in dem Song „When I’m Sixty-Four“, dass man wohl im Alter von 64 Jahren nicht mehr gebraucht und gefüttert wird. Inhaltslose Alltäglichkeiten waren bezeichnend für McCartney-Songs aus dem Jahre 1967 (z.B: Hello Goodbye). Selbst sein vielbeachtetes „Penny Lane“ (Ein Hit des Jahres ’67) war nur gespickt von Kindheitserinnerungen, führte jedoch am Geist der Zeit vollkommen vorbei. Man könnte daher vermuten Paul McCartney interessierte sich nicht für die Hippie-Bewegung. Doch sein Schritt zurück hatte das Ziel seinen „Beatles“-Kumpel John Lennon in das Rampenlicht treten zu lassen. Dieser hatte in der Tat etwas zu sagen. Mit „All You Need Is Love“ erschuf er einer der Hymnen dieser Zeit. Dieser Song kommt uns unweigerlich ins Gedächtnis, wenn wir uns an 1967 erinnern. Zusammen mit den Songs „San Francisco“ von Scott McKenzie und natürlich „California Dreaming“ von „The Mamas and Papas“. Paul McCartney fühlte sich zugehörig ohne sich in den Vordergrund zu spielen. Bei den Filmaufnahmen zu „All You Need Is Love“ hatte er Blumen im Haar. Das reichte für ihn.

Lou Reed machte seinen wilden Weg auch bereits 1967. Mit der Sängerin Nico und seiner Band „The Velvet Underground“ machte er mit dem Thema Drogen auf sich aufmerksam. „Heroin“, eine bis ins Mark erschütternde Nummer auf dem Debüt-Album von 1967, dessen Bananen-Cover von Andy Warhol erarbeitet wurde, faszinierte und beeinflusste nicht nur die Fans. Es war die Zeit des Universitätsprofessors und Drogen-Papstes Timothy Leary, der LSD predigte und damit Repressalien durch Staat, Justiz und Arbeitgeber auf sich zog. Es schien als arbeiteten sie alle Hand in Hand: Leary, Reed, Jones, Lennon und die ganze Pop-Kultur dieser Tage. Die „Byrds“ waren „8 Miles High“, die „Doors“ „Couldn’t get much higher“ in „Light My Fire“ und Lou Reed sang sein eindringliches „Heroin“.

Auch Jimi Hendrix, der inzwischen ebenfalls über 75 Jahre alt  wäre, feierte 1967 seine ersten Erfolge. „Purple Haze“ oder „Foxy Lady“ sind nur zwei seiner Hits dieses Sommers der Liebe. Hendrix stellte sich auf der Bühne zur Schau wie ein stets bereiter Mann, der jederzeit und mit jedem Sex haben könnte. Die sexuelle Revolution machte auch bei seinen Shows keinen Halt. Er nutzte seine Gitarre oft wie eine Penisverlängerung, setzte sich auf sie oder machte mit ihr eindeutige Bewegungen. Wenn es ein Schrei nach sexueller Befreiung bedurfte: Jimi Hendrix und Jim Morrison brüllten ihn. Er hallt nach. Bis heute.

Was bleibt von den damaligen Stars? Sie sind erfolgreich geblieben…wenn sie nicht gestorben sind. Paul McCartney schafft den musikalischen Spagat zwischen hartem Rock, Blues und herzzerreißenden Schmachtfetzen bis heute. Lou Reed nahm 2011 ein Album mit „Metallica“ auf und die von Brian Jones gegründeten „Rolling Stones“ sind ein Wanderzirkus, der selbst nach über sagenhaften 50 Jahren Massen anzieht.
Wir möchten uns nicht vorstellen ob in 50 Jahren eine gealterte Lady Gaga noch auf die Bühne steigt. Bei den Stars aus dem „Sommer der Liebe“ wird es erwartet und gefeiert.

Hier eine (nicht vollständige) Liste der 1942 geborenen Musiker, deren Namen noch immer glänzende Augen hervorrufen:
Graham Nash
Carole King
Brian Jones
Lou Reed
John Cale
Aretha Franklin
Richard O’Brien
Roger Chapman
Barbra Streisand
Jim Keltner
Ian Dury
Curtis Mayfield
Paul McCartney
Brian Wilson
Roger McGuinn
Desmond Dekker
Jerry Garcia
Isaac Hayes
Jimi Hendrix
Dave Clark
Andy Summers

Behind The Song: The Beatles / Lucy In The Sky With Diamonds

1967 war das Jahr der Liebe. Flower Power brach aus und die Hippie-Bewegung steuerte auf ihren ersten Höhepunkt zu. Songs wie “San Francisco (Be Sure To Wear Some Flowers In Your Hair)” von Scott McKenzie oder “California Dreamin” von The Mamas And Papas eroberten den Weltball und streuten die Vision einer neuen, friedlichen und freien Welt, freie Liebe und Bewusstseinserweiterung über die ganze Welt.
1967 war ein ganz besonderes Jahr. Ein Scheidepunkt einer ganzen Generation. Soziologisch gesehen war es eine hochinteressante Zeit und die Ursprünge und Folgen dieser Bewegung zu beschreiben, würde diesen Artikel sprengen. Es gibt ganze Bücher darüber, die die Zusammenhänge von Weltgeschehen (z.B. den Vietnamkrieg) und Veränderungen im Denken einer gesamten Generation beschreiben.
Eine der Hauptrollen spielten natürlich jene vier Herren aus England, die als The Beatles bekannt waren. Verwunderlich nur, dass sie niemals auf den den Zug der Flower Power-Bewegung aufsprangen. Lediglich George Harrison reiste im Jahr ’67 einmal nach San Francisco, um mit seiner Klampfe bewaffnet mit Hippies um ein Lagerfeuer zu sitzen und zu diskutieren. Wenn wir ehrlich sein wollen dann ging die Hippie-Generation an den Beatles vorbei. Sie bildeten ihre eigenen Visionen. Mit ihrer Reise nach Indien zum Guru Maharischi Mahesch Yogi versuchten sie sich selbst aus einem Gefängnis zu befreien, in das sie durch ihre Popularität gerieten und sie gehörig einschränkte. Das Jahr ’66 brachte Katastrophen mit sich, aus dem die Beatles im folgenden Jahr Konsequenzen zogen. Die Wichtigste davon war: keine Tourneen und Live-Auftritte mehr. Fans glaubten bereits die Trennung der Beatles sei nah, doch 1967 lieferten sie ein Album ab, das mehr als jedes Andere die Musikwelt verändern sollte. Die Rede ist von “Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band”. Doch auch wenn ich über dieses Album ausführlich schreibe, würde der Platz hier nicht ausreichen. Darüber gibt es Filme, Dokumentationen, Bücher, wissenschaftliche Abhandlungen und, und, und… vor allem: zahllose Gerüchte und Geschichten. Eine davon möchte ich hier erzählen.

Der Song “Lucy In The Sky With Diamonds” gehört zu den Bekanntesten des Albums “Sgt. Pepper”. Windige Journalisten behaupteten, der Song handle über die Erfahrungen John Lennons mit dem Rauschgift LSD. Schließlich bilden die Anfangsbuchstaben von Lucy, Sky und Diamonds diesen Begriff. Nicht weit hergeholt erscheint es deshalb weil die Beatles mit Drogen experimentierten. Inzwischen haben sie es mehrmals zugegeben… auch Verhaftungen wegen Drogenfunden hat es gegeben. (Zuletzt 1980, als Paul McCartney bei einer Tournee versuchte am Flughafen in Tokio / Japan Haschisch durch den Zoll zu schmuggeln).
Auch der Text von “Lucy” klingt nach einem LSD-Trip:

“Picture yourself in a boat on a river
With tangerine trees and marmalade skies.
Somebody calls you, you answer quite slowly,
A girl with kaleidoscope eyes”

Eine Frau mit kaladeiskopischen Augen sieht man sicher nur, wenn man vorher ordentlich was eingeschmissen hat… oder man hat eine lebhafte, lyrische Phantasie… und die hatte John Lennon ohne Zweifel.

John Lennon, der Dichter und Komponist des Songs, hat sich mehrmals zu diesem Song geäußert. Besonders spaßig fand ich seine Bemerkung: “Als ich von dem LSD-Gerücht hörte, begann ich bei allen Songs des Albums mir die Anfangsbuchstaben der Titel anzuschauen… aber ich fand nichts geheimnisvolles mehr.”.

Allen Verschwörungstheoretikern und Gerüchtestreuern sei nun endgültig gesagt: “Lucy In The Sky With Diamonds” ist kein Drogensong. Ob John Lennon beim Schreiben des Songs “bewusstseinserweitert”, also zugedröhnt war, kann ich natürlich nicht sagen, doch es gibt genügend Anhaltspunkte, dass es tatsächlich das Bild war, dass Johns Sohn Julian in der Schule malte. Dieses hat Julian seinem Vater gezeigt mit der Erklärung: “Das ist Lucy, mit Diamanten im Himmel”. Lucy war eine Schulfreundin von Julian. John war von dem Bild und dem Titel so inspiriert, dass er es als Grundlage für seinen Song nahm.
Es gibt mehrere Gründe, an diese Version der Geschichte zu glauben.
Hauptgrund ist natürlich, dass die Beatles oft und lange immer wieder zugaben LSD genommen zu haben. Warum sollten sie dann bei der Entstehungsgeschichte des Songs lügen? Welchen Sinn hätte das? Wenn es um LSD ging bei diesem Song, warum sollten sie das nicht eingestehen? Was wäre schon dabei… heute, über 50 Jahre später?
Weitere Gründe die glaubhaft machen, dass Julians Bild der Auslöser für den Song war, ist, dass auch die anderen Beatles dieses Bild sahen. Das haben sie mehrmals öffentlich versichert.

Ringo Starr: “John hat mir dieses Bild gezeigt. Es war ein Bild wie es kleine Kinder malen…man erkennt nichts darauf!”.

Paul McCartney: “Die Leute auf dem Bild flogen…wie bei Chagall. Typisch für ein Kinderbild!”.

Inzwischen kann man Julians Bild auch im Internet finden. Mir liegt es vor aber ich überlasse euch gerne die Recherche.

An alle Hippies sei gesagt: galubt ruhig weiter an die Geschichte einen Drogensong zu hören. Einem falschen Gerücht aufzusitzen ist oft beruhigender als sich der langweiligen Realität hinzugeben.